Federwiege, Dreimonatskolik, Schreikind
Federnd wiegendes Schwingen einer Federwiege, ähnlich dem Wiegen in den Armen, soll Kinder beruhigen und Dreimonatskoliken (Trimenonkoliken) vorbeugen. Mit dieser Aussage wird für die Federwiege geworben. Hintergrund ist die Annahme, daß sogenannte "Dreimonatskoliken" in den Ländern nicht vorkommen sollen in denen Kleinkinder am Körper getragen werden. Die "Dreimonatskolik" ist jedoch keine Krankheit und es gibt daher auch keinen pathologischen Befund.
Dreimonatskolik, Nabelkolik, Säuglingskolik
sind Begriffe die, bei scheinbar unerklärlichem, permanentem Schreien eines Kleinkindes, schnell in Anspruch genommen werden. Dabei ist schon die Unterscheidung zwischen Blähung und Kolik äußerst schwierig und man kann davon ausgehen, daß in den seltensten Fällen ein Kind wirklich an einer Kolik leidet. Blähungen können jedoch nicht minder schmerzhaft sein und bei Säuglingen durch Luft schlucken bei der Nahrungsaufnahme und anschließendem zu geringem Aufstoßen enstehen. Ebenso kann anhaltendes Schreien zu Luft schlucken und in Folge zu Blähungen mit hartem, aufgetriebenem Bauch führen. Zudem sind während der Erstbesiedelung, mit für die funktionierende Verdauung notwendigen Bakterien des noch keimfreien Darms eines Säuglings, Blähungen eine nicht seltene Begleiterscheinung. Aktuellen Forschungen zufolge treten Blähungen unabhängig von der jeweiligen Ernährung auf.
Schreikinder
Unspezifisch schreiende Kinder gibt es in heutigem Ausmaß (ca. 20 % der Säuglinge werden als ausgesprochene Schreikinder bezeichnet) erst seit Beginn der Industrialisierung. Es scheint tatsächlich so, daß mangelnde Zuwendung hauptsächlich in den ersten 3 Lebensmonaten, im Zusammhang mit Schreikindern steht. In Gesellschaften, in denen noch heute enger Körperkontakt der Säuglinge mit vertrauten Personen üblich ist, sind unspezifisch schreiende Kinder nahezu unbekannt. Die mangelnde Zuwendung an Kinder in unserer industrialisierten Welt wurde schon vor über 100 Jahen angeprangert.
Hierzu ein Zitat (Bilz) von 1894:
"Denn viele Eltern sind heute von ihrem Berufe so sehr abhängig, daß sie ihren Kindern lange nicht die nötige Aufmerksamkeit schenken können. Ferner giebt es auch viele Familien, welche nicht einmal das Allernotdürftigste von gesunder Nahrung, Kleidung und Wohnung für sich und ihre Kinder erschwingen können, und sind dann solche Eltern für das so hochheilige Amt der Kindererziehung bis zur Gleichgültigkeit abgestumpft".
Zur Definition unspezifisch schreiender Kinder gibt es folgende (Hebammenwissen) Faustregel: Kinder die länger als 3 Stunden am Tag, öfter als 3 mal in der Woche und über einen längeren Zeitraum als 3 Wochen unerklärlich schreien, sind Schreikinder. Selbstverständlich immer vorausgesetzt, daß ein solches Kind vom Arzt untersucht wurde und wirklich keinerlei Strörung vorliegt.
Im Wesentlichen ist jedoch unerklärliches Schreien auf die ersten 3 Lebensmonate beschränkt, in denen sich das Gehirn besonders schnell entwickelt und die 24 Stunden-Rhythmisierung statt findet. Kinder, die aus irgend welchen Gründen nach dem 3. Monat diesen Rhythmus noch nicht gefunden haben, werden erfahrungsgemäß weiterhin schreien.
Um der Entwicklung eines Schreikindes vorzubeugen oder das Schreien zu reduzieren werden folgende Maßnahme (Largo) empfohlen:
Sich mit den Kindern in den Wachphasen aktiv beschäftigen.
Einen regelmäßigen Schlaf- Wach-Mahlzeiten-Rhythmus einhalten.
Kinder regelmäßig, mehrmals am Tag umhertragen bevor das Schreien eingesetzt hat.
Quellen:
Bilz: Das Neue Naturheilverfahren 1897
Das große Hebammen-Wissen - Heinrich Hugendubel Verlag ISBN 978-3-7205-5050-5
Baby-Jahre Remo H. Largo, Piper-Verlag ISBN 978-3-492-05124-8
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