Kurze Kulturgeschichte über das Bett
Ausgrabungen ergaben, daß vor 130 000 Jahren unsere Vorfahren auf Seegras und Tierhäuten schliefen. Wann dann das Nachtlager vom Fußboden zum Bett mutierte liegt (noch) im Dunkeln.
Sicher ist jedoch, daß die Pharaonen bereits hochbeinige Bettgestelle verwendeten, die man mit Hilfe eines Trittes bestieg. Solche Lagerstätten oder Betten waren bei den meisten Kulturvölkern des Orients im Gebrauch. Es gab damals auch schon "Sprungfedern" die jedoch aus Schilfrohr und Palmenzweigen gefertigt waren. Auch Matratzen, mit Federn und anderem Brauchbaren gefüllt, dienten bereits als Schlafunterlage.
Daß es bereits im Altertum eiserne Betten gab geht aus dem 5. Buch Moses 3, 11 hervor: »Allein der König Og zu Basan war noch übrig von den Riesen. Siehe sein eisernes Bette ist allhie zu Rabath der Kinder Ammon, 9 Ellen lang, und vier Ellen breit, nach eines Mannes Ellenbogen«.
Die Griechen hatten die »Kline« nicht nur als Nachtlager, sondern auch während des Tages benutzt. Die Kline bildete neben dem Tisch das wichtigste Möbel und man speiste halb liegend.
Bei den Römern war es üblich im Liegen zu essen, sich zu unterhalten, zu lesen und zu schreiben. Was zur Folge hatte, daß nahezu in jedem Raum eine Liege stand.
Zu dieser Zeit schlief man nördlich der Alpen noch auf Heu, Laub, Moos, Stroh Torf oder Tierfellen. Über dem Boden erhabene Ruhelager, Betten kamen erst viel später, vermutlich durch die Römer zu uns. Doch war es im Mittelalter immer noch üblich auf (teils gemauerten) Wandbänken oder auf dem Fußboden, den man mit Kissen belegte, zu schlafen. Auch Spannbetten, in Art einer Pritsche, die mittels Spangen (Querleisten) zusammmengehalten wurden gab es. Die Matratze lag auf Gurten oder Stangen, das Bettuch (Leilachen), eine Decke (Kulter) und ein Kissen (Pfellel / Oberkissen) vervollständigte solch eine Schlafstatt. Im Winter schlief man auch auf einem Ruhelager das über dem Herd als Hängeboden oder Zwischenboden angebracht war.
Solche Betten oder Lager hielten sich, in veränderter Form, sehr lange Zeit wie das obige Bild von Heinrich Zille ( *1858-1929 † ) beweist.
Während sozial besser gestellte zum Teil riesige Bett-Anlagen oder Prunkbetten zur Verfügung hatten (wie in Schlössern und Burgen zu besichtigen), schlief das Volk mehr oder weniger komfortabel auf dem Boden.
Carl Spitzweg ( * 1808 - 1885 †) zeigt dies in einem seiner bekanntesten Bilder deutlich.
Quellen:
Unser Ruhelager, Ernst Montanus 1898
Pascal Dibie: Wie man sich bettet 1993 ISBN3-423-30388-3


