Schlafgänger
Zum Ende des 19. Jahrhunderts, der Zeit der rasanten Industrialisierung, war Wohnraum und damit auch Schlafplätze, in den großen Städten absolute Mangelware.
Als Schlafgänger, Schlafleute, Schlafburschen aber auch Schlafmädchen wurden damals Menschen bezeichnet die keine eigene Wohnung besaßen und sich gegen Entgelt eine Mitschlafgelegenheit beschafften.
Wohnungsinhaber der ärmeren Bevölkerung, die selbst kaum in der Lage waren die Kosten für Miete etc. aufzubringen, vermieteten ihr Bett für die Zeit in der dies regulär leer stand. So war es nicht selten, daß ein Bett nie kalt wurde oder die Schlafgänger gar vor einem Bett "Schlange" standen.
Im Jahr 1880 gab es in Berlin 32 289 Haushaltungen die 59 087 Schlafleute oder Schlafgänger beherbergten. Um 1900 kamen in Berlin 84 235 Schlafburschen und 29 623 Schlafmädchen oder Frauen auf 72 445 Haushaltungen.
In Berlin entwickelte sich ein Schlafstellenwesen. Der zeitkritische Maler und Zeichner, Heinrich Rudolpf Zille (*1858-1929†) hielt das "Milljöh" in vielen Bildern fest.
Not macht erfinderisch - Geld, Schlafstellen und Wohnraum waren rar.


