Betten- und Schlaf - Journal

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Oberlausitz-Leinen-Historie
Oberlausitzer Leinen
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Die Oberlausitz und die Weberei – ein historischer Abriss

Von Ute Hultsch, M.A. (Deutsches Damast- und Frottiermuseum Großschönau)

Bereits seit Jahrtausenden wurden pflanzliche Fasern wie Flachs und tierische Wolle zur Herstellung von Bekleidung eingesetzt. Aus der Verkreuzung von zwei Fadensystemen – Kette und Schuss - entstehen gewebte Stoffe. Die Weberei ist damit eine der ältesten Techniken zur Herstellung textiler Flächengebilde.

Vor über eintausend Jahren begann in der Oberlausitz das Spinnen von Fäden und damit auch das Klappern der Webstühle. Als wichtigste textile Faser prägte der Flachs den gesamten Landstrich. Der Flachs wurde von der Bevölkerung zu Leinengarn verarbeitet. Daraus entstanden in der Hausweberei einfache Leinwandgewebe für den Eigenbedarf. Den Überschuss an gewebter Ware verkaufte der Weber noch selbst auf Märkten und Messen. Den mittelalterlichen Sechsstädten – Görlitz, Bautzen, Kamenz, Lauban, Löbau und Zittau – verhalfen die Leineweber, Tuchmacher und die Garnmärkte zu Prosperität. Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde Oberlausitzer Leinen über die großen Nürnberger und Leipziger Handelshäuser nach Afrika, Amerika und in den Orient exportiert. Der Erfolg des Oberlausitzer Leinens lag in seiner hohen Qualität. So veränderte sich die Weberei im 17. Jahrhundert von einem Nebenerwerb der Bauern und Handwerker zu einer hauptberuflichen Tätigkeit. Relativ schnell entstand ein vorindustrielles Verlagswesen, indem der Verleger die Weber mit Rohstoffen versorgte, die gewebten Stoffe (die Waren) aufkaufte und den überregionalen Handel betrieb. Der Hausweber entrichtete an seine Herrschaft ein „Stuhlgeld“, eine Art Pachtzins und stellte die Stoffe für den Verleger gegen ein Entgelt her. Die Dorfbilder veränderten sich vom Bauerndorf hin zum Weberdorf. In den Dörfern wurde gewebt und in den Städten der Handel betrieben.

Anfang des 19. Jahrhunderts verdrängte die Baumwolle zusehends den Flachs aus den Webstuben. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts erhielten die Hausweber – ihnen unliebsame – Konkurrenz durch moderne mechanische Webereien, die sie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vollständig verdrängten. Oberlausitzer Leinwand wurde im Zuge der Industrialisierung und der Einführung der Eisenbahn ein weltweit begehrtes Gewebe, das in modernen Fabriksälen gewebt wurde. So ging zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Bedeutung der Heimweberei zurück. Durch die technische und industrielle Revolution setzten sich in Ballungsräumen Fabriken durch, die gerade die südliche Oberlausitz prägten. Es erfolgte eine regionale Produktspezialisierung. Das Gebiet um Lauban entwickelte sich zum Zentrum der Taschentuchweberei. Die Südlausitz prägte die Frottierweberei und Kirschau und Umgebung die Grobgarnindustrie. Um Großröhrsdorf siedelte sich die Bandweberei an.

In den Dörfern des Zittauer Gebirges entwickelte sich die Leineweberei in der Mitte des 17. Jahrhunderts zum vorherrschenden Industriezweig. In den grenznahen Waldhufendörfern siedelten sich zahlreiche Weber in den Dörfern, die dem Zittauer Rat unterstanden, an. So in Waltersdorf und Großschönau. Letzteres nimmt in der textilgeschichtlichen Entwicklung eine Sonderrolle ein. Seit 1666 wurde hier erstmalig in Deutschland besonders wertvolle Damast-Tischwäsche für Adel und Kirche gewebt. Seit 1834 wurde die Jacquardmaschine zur Musterbildung auf die Handwebstühle gesetzt. Mit dem Bau der Pochefabrik 1856 begann in Großschönau die Ablösung der Hausweberei. Auch die Frottierweberei nahm, in dem inzwischen von der Weberei geprägten Dorf, 1856 ihren deutschlandweiten Anfang. Durch die zunehmende Industrialisierung wurde Großschönau ein bis heute erfolgreicher Textilstandort.

 



 

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